Parkinson

Morbus Parkinson ist der langsam fortschreitende Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen des Hirnstammes, unheilbarer und mit 100 bis 200 Fällen pro 100.000 Einwohnern die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung.

1. Symptome

Der Verlust der dopaminproduzierenden Nervenzellen führt zu verschiedensten Symptomen. Die wichtigsten lassen sich in motorische und nichtmotorische Symptome unterscheiden.

Die motorischen Kardinalsymptome sind:

  • Bradykinese (Akinese, Hypokinese)
    Die Bradykinese ist eine Bewegungsverlangsamung mit verminderter Beweglichkeit (Hypokinese) bis hin zur Unbeweglichkeit (Akinese). Patienten mit Morbus Parkinson können Bewegungen nur schlecht initiieren oder haben Schwierigkeiten, Bewegungen ausdauernd durchzuführen. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung werden die Bewegungsamplituden kleiner, die Bewegung langsamer und kommen schließlich ganz zum Stillstand.
  • Tremor
    Der Tremor ist ein Ruhe- oder später auch Haltetremor und primär davon abhängig, wie aufgeregt ein Patient ist. Wenn der Betroffene schläft oder entspannt ist, lässt der Tremor oft ganz nach. Nicht jeder Patient mit Morbus Parkinson leidet an einem Tremor. Der Tremor kann aber auch führendes Symptom sein.
  • Rigor
    Beim Rigor handelt es sich um eine Steifigkeit der Muskulatur, die der Patient nicht willkürlich beeinflussen kann. Der Rigor wird oft als schmerzhaft wahrgenommen. Er kann nur die oberen oder nur die unteren Extremitäten betreffen. Beim Morbus Parkinson ist eine Körperhälfte häufig mehr betroffen als die andere.
  • Störung der posturalen Reflexe
    Störung der posturalen Reflexe bezeichnet die Störung des aufrechten Standes mit der Gefahr von Stürzen. Oft fehlen Ausgleichs- beziehungsweise Schutzschritte. Auch Gegenreaktionen zu Fallbewegungen können nicht oder nur schlecht ausgelöst werden.
  • Freezing
    Das Freezing ist ein „Einfrieren“ mitten in der Bewegung. Die Betroffenen können sich plötzlich nicht mehr bewegen. Dies kann an Engstellen wie Türrahmen passieren oder auch in Stresssituationen wie beim Überqueren der Straße.

Darüber hinaus können weitere Symptome auftreten, unter anderem:

  • Mikrografie: Immer kleiner werdende Schrift
  • Dysarthrophonie: Sprechstörungen, die sich oft in unverständlicher, leiser Sprache zeigen
  • Sialorrhoe oder auch Hypersalivation: sieht wie ein vermehrter Speichelfluss aus, ist jedoch eigentlich die Schwierigkeit, den produzierten Speichel zu schlucken.
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Grobe Bewegungen in der Nacht, sog. REM-Schlaf-Verhaltensstörung
  • Verstopfungen bzw. Obstipationen
  • Blasenprobleme, die sich in Pollakisurie (häufigem Wasserlassen) äußern
  • Depression
  • Schluckstörung
  • Sehstörungen mit Doppelbildern, Störungen des Farbsehens oder des Kontrastsehens
  • Störungen des Herz-Kreislauf-Systems mit fehlendem Blutdruckanstieg beim Aufstehen
  • Riech- und Geschmackstsörungen
  • Demenz

Wesentlich dabei ist, die durch die Erkrankung verursachten Symptome von medikamenteninduzierten Beschwerden zu unterscheiden, wie beispielsweise Dys- oder Hyperkinesien: Dabei handelt es sich um überschießende Bewegungen der Arme, Beine oder auch des ganzen Körpers.

2. Therapie

Bis heute gibt es noch keine Möglichkeit den Morbus Parkinson und die verwandten Syndrome ursächlich zu behandeln. Auch kann das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufgehalten werden. Derzeit ist lediglich die Behandlung der motorischen und nicht-motorischen Symptome der Erkrankung möglich. So kann die Lebensqualität der Patienten und damit die Teilhabe verbessert werden.

Neben medikamentösen Therapien kennen wir die wichtigen nicht-medikamentösen Therapien aber auch operative Therapiestrategien im Rahmen der tiefen Hirnstimulation.

Die medikamentösen Therapien beruhen insbesondere auf den Ersatz des Dopamins durch seine Vorstufe (L-DOPA) oder durch sog. Agonisten, die zwar wie Dopamin wirken, selber aber kein Dopamin sind. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung werden mehrere dieser Medikamente kombiniert, welche in immer kürzeren Abständen eingenommen werden müssen, um eine ausreichende Wirksamkeit zu erzielen und Wirkschwankungen (Fluktuationen) zu vermeiden. Mit dem Beginn von Fluktuationen und Ausschöpfung der Medikamente braucht es Kompetenz in der ärztlichen Versorgung, da nun Aspekte der intensivierten Therapie (Pumpensysteme oder tiefe Hirnstimulation) angesprochen werden müssen

Zu den wichtigsten Zielen gehören die Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung der Beweglichkeit, häufig werden aber auch Schmerzfreiheit beziehungsweise -Reduktion sowie die Verbesserung der Partizipation (Teilhabe) und der Selbstständigkeit genannt (Parkinson-Leitlinie DGN, 2016). Die Therapie für Patienten mit Morbus Parkinson muss, auch im Hinblick auf die sehr unterschiedlichen Symptome, interdisziplinär gestaltet sein.

Die Logopädie behandelt die beim idiopathischen Parkinson-Syndrom in aller Regel auftretenden Stimm- und Sprechstörungen sowie etwaige Schluckprobleme.

Die Ergotherapie hat das Ziel, den Patienten, der in seiner alltäglichen Handlungsfähigkeit beschränkt ist, zu stärken. Der Patient soll sich selbst versorgen können und wieder aktiv in seiner gesellschaftlichen Umwelt tätig sein und so seine Lebensqualität zu verbessern.

Die Physiotherapie soll ergänzend für ein aktives Training sorgen, um die Bewegungsstörungen, die die motorischen Kardinalsymptome bei Morbus Parkinson darstellen, zu therapieren.

  • Behandlungsziele in der Physiotherapie bei Parkinson sind:
  • Selbstständigkeit und aktive Teilhabe am Leben
  • Förderung und Verbesserung der Beweglichkeit, der Koordination und des Gleichgewichts
  • Regulierung der Muskelspannung
  • Vermeidung von Versteifungen
  • Förderung von Ausdauer, Kraft und Belastbarkeit